Chronik

Ein Sportverein erlebt 125 Jahre - ein Rückblick beim Turnverein 1884 Zeil

Der TV zählt zu den ältesten Vereinen in Zeil, wurde 1884 gegründet und startete am 04. Juni 2009 sein 125-jähriges Jubiläumsjahr mit einem großen Familienfest „Spiel ohne Grenzen" und einem Sommernachtsfest.

Die vergangenen 125 Jahre waren eine Zeit, in der auch der Turnverein viele Höhen und Tiefen miterlebte und überstand. Es gab unter seinen Mitgliedern aber immer wieder genügend Idealisten, die sich in der Vereinsführung und den Sportgruppen engagierten und so eine Weiterführung ermöglichten.

Als im Jahre 1949 das 65-jährige Stiftungsfest des Zeiler Turnvereins gefeiert werden konnte, war zum abendlichen Festkommers im Göllersaal auch ein Vertreter aus der Vorstandschaft des TV 1861 Haßfurt gekommen, um nachbarliche Glückwünsche zu übermitteln. Dabei erinnerte er an die Zeit der Zeiler Vereinsgründung im Jahr 1884 und an die erste Fahnenweihe im Jahr 1890, wo jeweils die Turnfreunde des TV 1861 Haßfurt als Patenverein hilfreich zur Seite standen.

Die erste Amtshandlung der Gründungsmitglieder am 19.06.1884 im Reiser’schen Lokal (heute Gasthof Hertlein-Stadt Zeil) war die Wahl einer vorläufigen Vorstandschaft, die aus folgenden Männern bestand:

1. Vorsitzender Martin Heim
Turnwart August Klemm
Schriftwart Martin Steigner
Kassenwart Michael Messerschmitt
Zeugwart Nikolaus Keller
Vereinsdiener Johann Herpich
Sittenrichter Anton Reinhard und Michael Mölter

Sogleich wurde eine Vereinssatzung beschlossen und dem königlichen Bezirksamt zur Genehmigung vorgelegt. Die Genehmigung ließ nicht lange auf sich warten, sie erfolgte am 29.06.1884. Noch am gleichen Tag, an dem die behördliche Zustimmung erteilt wurde, fand die 1. Generalversammlung statt. Dazu war auch der damalige Bürgermeister Franz Burger erschienen. Auf der Suche nach einem geeigneten Sportplatz wurde der große Anger (heute Tennisplatz) angesehen und vom Bürgermeister unentgeltlich zur Verfügung gestellt. Man begann auch sofort, diesen Platz für den Turnbetrieb herzurichten, Die ersten Turngeräte waren 2 Barren, 1 Turngerüst mit Kletterbaum, Leiter und Kletterstangen. Es wurden damals auch die Kastanienbäume gepflanzt, die noch heute an heißen Sommertagen den Kindern am Spielplatz Schatten spenden.

In den Anfangsjahren des Vereins erlebte auch in Zeil die Turnbewegung einen großen Zulauf. Weitere wichtige Dinge für die Vereinsgründer waren die Pflege der Geselligkeit. Die gesellschaftliche Bedeutung des jungen Vereins innerhalb der Stadt wuchs durch den Beitritt vieler angesehener Bürger als Mitglieder sehr schnell und die heutige Frage bei jedem Verein, ,,wer macht den Vorstand", ergab sich damals nicht. Man sah die Vorstandsarbeit als eine Ehre an und in oft recht stürmischen Debatten wurde bei den Neuwahlen im einjährigen oder zweijährigen Turnus die Kür der jeweils rivalisierenden Kandidaten vorgenommen und ausgefochten.

Nach der Vereinssatzung wurde bei den Turnern auch auf einen sittlich einwandfreien Lebenswandel im privaten und sportlichen Bereich geachtet. So heißt es im § 28 der Turnordnung: ,,Alles Schwelgen und ungeziemende Betragen bei Turnfahrten hat zu unterbleiben. Auffallende Berauschungen sollen sehr streng geahndet werden". Die beiden gewählten Sittenrichter aus der Vorstandschaft achteten sicher sehr aufmerksam auf das Betragen der Sportler.

Bereits ab 1898 verzeichneten die Protokolle des Turnvereins auch die Namen von Zeiler Teilnehmern an turnerischen Wettkämpfen und deren Siege. Geräteturnen und exakte gymnastische Vorführungen der Riegen beeindruckten und begeisterten damals die Zuschauer immer wieder, es gab 1914 auch schon eine Damenriege im Verein.

Im Jahre 1905 wurde beim Turnverein schon Faustball gespielt, 1914 gab es einen Schwimmwart und 1925 wurde eine eigene Schwimmabteilung gegründet, die sofort ca. 20 Mitglieder umfasste.

Neben den zu Anfang des 20. Jahrhunderts schon jahrelang bestehenden Turngruppen beim Turnverein fanden sich in Zeil auch fußballbegeisterte Männer zusammen, die im Jahre 1908 einen eigenen Verein gründeten, den FC 08 Zeil. Dieser leistete im weiten Umkreis Pionierarbeit und half tatkräftig bei der Neugründung weiterer Fußballvereine mit.

Nach dem Ende der Freiluftsaison 1927 fanden die Übungsstunden der Turner in einem überlassenen Fabrikraum der Fa. Mölter & Co. statt, der mit einem Betonfußboden versehen war und bei Stürzen entsprechende Spuren hinterließ. Der Firmenchef Nikolaus Mölter, langjähriges Mitglied des Zeiler Turnvereins, hatte als Notlösung für den Winterbetrieb ausnahmsweise seine Fabrikhalle für das abendliche Turntraining zur Verfügung gestellt. Als aber noch im Winter 1927 die neue Volksschule bezogen wurde, bekamen die Turner vom Stadtrat die Genehmigung, in einem freigewordenen Schulsaal des Rathauses ihre Übungsstunden abzuhalten. Dieses „Turnlokal" befand sich im Parterre des Gebäudes und wurde auch von der Damenriege mitbenutzt.

Das Gauturnfest des Turngaues Schweinfurt wurde erstmals 1894 in Zeil und später auch noch in den Jahren 1904, 1923, 1929 und 1984 durchgeführt. Wie aus dem Vereinsprotokoll hervorgeht, fand bereits im Jahr 1931 ein Sportwerbetag mit leichtathletischen Wettbewerben und mit einem Staffellauf ,,Rund um Zeil" statt. Dieser Staffellauf ging jedoch in Wirklichkeit nur über eine Distanz von 4x100 m. Den von der Stadt zur Verfügung gestellten Pokal gewann die Staffel des Turnvereins vor den Fußballern des FC 08. Im gleichen Jahr 1931 fand in Zeil auch der Frühjahrswaldlauf des Turngaues Schweinfurt statt, ferner ein Faustballturnier sowie ,,Wettschwimmen" im Main über 300 und 1000 m als Einzel- und Staffelwettbewerbe.

Erstmals 1924 fand am 2. Weihnachtsfeiertag im Göllersaal ein Variete-Abend mit einem abendfüllenden Programm statt. Neben turnerischen Vorführungen gab es Theater-, Gesangs- und Musikdarbietungen. Diese beliebte Veranstaltung hatte später noch eine lange Tradition.

1932 beklagte die Vereinsführung beim Stadtrat, dass der Turnbetrieb für die zwischen-zeitlich angewachsene Damenriege unter sehr beengten Verhältnissen im Rathausraum stattfinden müsse. Bald darauf wurde der ,,Turnsaal" im Rathaus als Notwohnung hergerichtet und die Sportler mussten ausziehen und ihre Geräte in der Volksschule deponieren.

Der Sportbetrieb des Turnvereins ließ merklich nach und die Vorstandschaft klagte über den ,,äußerst flauen Turnbetrieb" sowie über das Desinteresse vieler Mitglieder am Vereinsleben und wollte sogar deswegen zurücktreten.

Doch die folgende Zeit brachte mit ihren politischen Umwälzungen für viele Menschen unerwartete Veränderungen mit sich. Am 30. Januar des Jahres 1933 erfolgte in Deutschland die Machtergreifung durch die Nationalsozialisten und bereits am 31.03.1933 wurde das sog. Gleichschaltungsgesetz erlassen, nach dem jede Eigenständigkeit in Vereinen und Organisationen aufgehoben wurde. Alle Sportfachverbände mit ihren Geschäftsstellen wurden zentral nach Berlin verlegt und es erfolgte eine Neueinteilung in 16 „Sportgaue", die alle dem Reichssportführer v. Tschamers unterstellt waren. Es wurde ein Reichssportamt geschaffen und alle Sportvereine wurden dem Deutschen Reichsbund für Leibesübungen (DEL) angegliedert.

Durch örtliche Parteigänger der neuen Machthaber wurde 1933 auch in Zeil gegenüber den Vereinsvorständen die Auswirkungen und Vorschriften des erlassenen Gleichschaltungsgesetzes erläutert and deren Einhaltung verlangt.

Als erste Auswirkung bekam der bisherige 1. Vorstand einen anderen Titel, er hieß nun „Vereinsführer". So wurde im September 1933 in einer außerordentlichen Generalversammlung ,,in Auswirkung der vorgeschriebenen Gleichschaltung" ein neuer ,,Vereinsführer" gewählt, dieser ,,verteilte" in einer weiteren Zusammenkunft im November 1933 alle weiteren Ämter an Leute seines Vertrauens.

In einer letzten Generalversammlung im Januar 1935 legte der bisherige „Vereinsführer" sein Amt wegen beruflicher Arbeitsüberlastung nieder. Bei der Neuwahl durch die Mitglieder fand sich wieder ein Idealist für dieses Amt, doch auch er hatte sich ausbedungen, seine Mitarbeiter in die weiteren Ämter selbst zu bestimmen.

In diesem Jahr fand der Turnbetrieb zeitweise im Schützenhaus statt. Im Jahr 1936 richtete der Turnverein ein Waldfest am Jägerhäuschen aus, welches einen sehr guten Besuch zu verzeichnen hatte. 1937 wurde nochmals bei „Göller", wie auch schon 1934, vom Turnverein gemeinsam mit dem Haßberg-Trachtenverein ein Maskenball abgehalten, der ebenfalls gut besucht war. Über sportliche Veranstaltungen wurde nichts mehr berichtet.

Die Amtszeit des letzten „Vereinsführers" und seiner gesamten Mannschaft endete im Dezember 1937. Die letzte Eintragung des Schriftführers in das Protokollbuch stammt vom 22. Dezember 1937, wo er schrieb: ,,Der Turnbetrieb ruht 1937 vollständig; trotz der nimmermüden Tätigkeit des Vereinsführers sind die Jungen und Jungmänner nicht zu bewegen, den Turnbetrieb aufzunehmen. Wolle die Hoffnung, dass hier recht bald eine grundlegende Änderung in den Anschauungen der jungen Leute eintrete, alsbald sich verwirklichen, zum Heil von Volk und Vaterland". Umsichtige Mitglieder brachten dann voller Vorahnungen noch die Vereinsfahne und die Protokollbücher in Sicherheit.

Sicherlich wurde der Sportbetrieb schon längst unter der Obhut der NSDAP und ihren Untergliederungen weitergeführt, nun aber unter dem Gesichtspunkt der Wehrertüchtigung. Als im Jahr 1939 der 2. Weltkrieg begann, mussten wie alle anderen wehrfähigen Männer auch die Zeiler Turner Waffendienst leisten, 11 verloren ihr Leben, 4 waren vermisst und kehrten ebenfalls nie zurück.

Nach Kriegsende im Jahr 1945, als das ganze Land in Not und Elend lag und für die Politik seines „Führers" teuer bezahlt hatte, war jeder mit sich selbst beschäftigt, um sein eigenes Auskommen zu sichern. Für ein Vereinsleben hatte niemand einen Gedanken übrig. Jeder hatte „die Nase voll" und der Standpunkt „ohne mich" war weithin zum Grundsatz vieler Menschen geworden. Die wirtschaftliche Not war tägliche Realität und alles andere war dagegen zweitrangig.

Doch im Jahr 1947 regte sich bei den alten TV-Mitgliedern erstmals wieder Interesse für eine Neubelebung des Turnvereins und in vielen Beratungen und Einzelgesprächen untereinander reifte der Gedanke zum Vollzug heran.

Als Antriebsmotor war der letzte Vorstand vor dem Krieg, Valentin Steininger, unermüdlich tätig, um eine Wiedergründung des Turnvereins zu erreichen. Er schrieb an die damalige US Militärregierung in Haßfurt und beantragte die Wiederzulassung des Vereins und die Genehmigung einer Wiedergründungsversammlung. Er musste dazu die Vereinsziele darlegen mit der Versicherung, „militärische und verbotene Sportarten werden nicht betrieben". Verboten waren z.B. der Schießsport, die Sportfliegerei und das Fallschirmspringen.

Nach Ende des Krieges fand in Deutschland auf Anordnung der vier Besatzungsmächte eine Entnazifizierung statt. Alle Personen, die während des 3. Reiches freiwillig oder manchmal auch unfreiwillig Funktionen in Partei und Öffentlichkeit ausübten, mussten sich einem Prüfverfahren durch eine sog. Spruchkammer (=Laiengericht) stellen, in dem ihre Nazi-Tätigkeit beurteilt wurde. Die Einstufung durch die Spruchkammer erfolgte in vier Kategorien, in Hauptschuldige, in belastete Personen, in minderbelastete Personen und in sog. Mitläufer. Als in einer Zusammenkunft in Zeil am 03.Septernber 1947 Valentin Steininger von den

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Anwesenden mit der erneuten Vereinsführung beauftragt wurde, musste dieser seinem Genehmigungsantrag nach Haßfurt eine persönliche Erklärung beifügen, dass er keine Hauptschuldigen, belasteten oder minderbelasteten Personen aus der Nazizeit im Sinne des Befreiungsgesetzes als Vereinsmitglieder aufnehmen werde.

 


Vorsitzender Steininger und Oberturnwart Ludwig Zösch mit der aktiven Mannschaft (1949)

Eine weitere Erklärung wurde beigefügt, unterschrieben von einem dreiköpfigen Vereinsausschuss, bestehend aus Nikolaus Drebinger, Martin Schlegelmilch und Ludwig Hofmann, welcher versicherte, dass alle jetzigen und künftigen Mitglieder als politisch einwandfrei anzusehen sind bzw. diese bei der Entnazifizierung nicht höher als sog. Mitläufer eingestuft wurden. Weiter versicherten sie, „die Tätigkeit des Vereins stimmt mit den demokratischen Zielen der Besatzungsmächte überein, d.h. dass sie weder umstürzlerisch noch militaristisch oder nationalistisch ist".

Als die offizielle Genehmigung der Militärregierung vorlag, konnte das Vereinsleben und der Sportbetrieb so nach und nach wieder beginnen. Der Vorstand haftete jedoch gegenüber den örtlichen Stellen der Militärregierung persönlich dafür, dass alles im vorgeschriebenen Rahmen verlief. In der Nachbarstadt Königsberg wurde z.B. ein Vereinsvorstand vorübergehend festgenommen, weil seine Mitglieder bei einem Umzug unversehens wieder in den altgewohnten Gleichschritt verfielen.

Als nach der Währungsreform 1948 der Wiederaufbau des Landes einsetzte, wurden auch die Turner immer aktiver. Vorstand Valentin Steininger konnte die in ihrem Versteck gerettete alte Vereinsfahne wieder öffentlich präsentieren lassen. Die Turnerjugend verzeichnete einen regen Zustrom, Oberturnwart für die Männerriege war Michael Schulz, für die Frauenriege war Irma Wendenburg zuständig. Um die Turnerjugend kümmerten sich Ludwig Zösch und Anton Bauernfeind.

Der gesamte Sportbetrieb fand unter freiem Himmel statt, da keine eigene Sporthalle vorhanden war. Den Turnbetrieb an den Geräten organisierte Lorenz Wittig und er erreichte, dass man während der Winterzeit im Treppenhaus der Volksschule turnen konnte. Ganz eifrige Turner übten unter Regie von Thomas Leisentritt sogar in einem alten Steinbruch am Kapellenberg, wo Turngeräte provisorisch aufgestellt waren. Auf Dauer gesehen war dies alles jedoch kein tragbarer Zustand für einen ordentlichen Sportbetrieb. Man plante deshalb 1950 seitens der Vorstandschaft den Bau einer eigenen Turnhalle, welche genehmigt und nach großen Eigenleistungen der Mitglieder 1951 erstellt und eingeweiht wurde. Mit einem Kassenstand von 969,67 DM wurde der Bau begonnen, die Eigenleistungen für den Neubau hatten einen Wert von 15.000 DM.


Turnhallenbau (1951)

Als sich naturgemäß in der neuen Halle der Sportbetrieb sofort stark weiterentwickelte, folgte bereits 1957 eine bauliche Erweiterung der Turnhalle und Erstellung einer Hausmeisterwohnung und eines Vereinszimmers.

Das sportliche Angebot des Turnvereins umfasste in dieser Zeit neben dem Geräteturnen bereits auch Leichtathletik, Faustball, Gymnastik und Wandern. Der Verein hatte damals schon bis zu 10 ehrenamtlich tätige Übungsleiter im Einsatz.

Die vereinseigene Turnhalle wurde als damals einzige Sporthalle in Zeil auch an die Volksschule für deren Sportstunden vermietet. Mit diesen

Pachteinnahmen und den Einnahmen aus vielen Vereinsveranstaltungen konnten neue Turngeräte beschafft und eine neue Hallenheizung installiert werden. In schöner Erinnerung vieler Besucher sind noch heute die Varieteveranstaltungen des Turnvereins in den 50er Jahren jeweils am 2. Weihnachtsfeiertag im Göllersaal, wo durch die verschiedenen Sportgruppen ein abendfüllendes Programm geboten wurde, das an die Vorkriegstradition anschloss. Später folgte noch die Durchführung von Faschingsveranstaltungen in der eigenen Turnhalle, die immer wieder ihr dankbares Publikum fanden.

Ein wichtiger Punkt im Vereinsleben war, dass die jeweiligen Vorstände ihren Abteilungs- und Übungsleitern viel Freiraum für eigene Ideen und neue Sportarten einräumten, die gerade in dieser Zeit bei uns stark aufkamen.

In den beginnenden 60er Jahren fanden sich im Verein Interessenten um Günther Streit, Erwin Barthelmeß und Ludwig Herpich für den Tischtennissport zusammen. Mit ihrer jahrzehntelangen Erfahrung betreiben Günther Streit und Erwin Barthelmeß noch immer aktiv diese Sportart.

Die Tischtennisabteilung sah jedoch nicht nur ihren eigenen Sportbetrieb, sondern kümmerte sich auch um die Vereinsarbeit. Anfang der 70er Jahre stellte sie die meisten Mitglieder in Vorstandschaft und Vereinsausschüssen und half so dem Verein über eine personelle „Durststrecke" hinweg. Seit der Übernahme des Jugendtrainings durch Werner Männling und der Abteilungsleitung durch Herbert Seibert erlebt die Tischtennisabteilung einen richtigen Boom. Mit insgesamt 2 Herrenmannschaften und 3 Jugendmannschaften nimmt die Tischtennisabteilung aktiv am Spielbetrieb teil.

Einen großen Stellenwert im Verein hat die sportliche Betätigung unter gesundheitlichen Aspekten. Besonders für die sportlich immer aktiver werdenden Frauen entstanden ab 1973 Sportgruppen, für deren ansteigende Teilnehmerzahlen und Leitung die Namen Bärbel Tully (geb. Kuhn), Ursula Nüßlein, Marga Vogt, Christa Seibert und Erika Schonmüller stehen. Mit 5 Damengymnastik-gruppen unter der Leitung von Ursula Nüsslein, Monika Seibert, Martha Schübert, Martina Schuster und Karin Zösch, haben die Frauen den Männern schon lange den Rang abgelaufen.

Seit 1974 treffen sich sportlich aktive Männer der jüngeren Jahrgänge als sogenannte ,,Montagsturner" mit dem Übungsleiter Karl Raab zum regelmäßigen Training und zu geselligen Unternehmungen.

Für die männlichen Senioren entstand 1975 eine Sportgruppe unter Hubert Kuhn, die altersgemäß eine etwas ruhigere Gangart einlegt, aber immer noch aktiv ist und regelmäßig die Geselligkeit pflegt.

1975 erfolgte auch die Gründung einer Volleyballabteilung für Männer durch Karl-Heinz Schuhl, später wechselte die gesamte Volleyball-Damenmannschaft von Königsberg nach Zeil, wodurch ganz neue

Mitglieder zum Verein gebracht wurden. In den 80er Jahren nahmen 2 Herrenmannschaften und später auch 2 Damenmannschaften am Spielbetrieb teil. Heute spielen 3 Freizeitmannschaften unter der Leitung von Christine Straub, Manfred Brech und Alexander Herdt regelmäßig Volleyball. Die Volleyball-Damenmannschaft unter der Leitung von Daniela Brech nimmt derzeit immer noch regelmäßig am Spielbetrieb teil.

Mit der Erstellung des Zeiler Hallenbades im Jahr 1974 ergab sich zwangsläufig 1975/76 die Gründung einer eigenen Schwimmabteilung. Männer der ersten Stunde waren dabei Adolf Kötzner, Joachim Vogt und Wolfram Kunze. Diese Abteilung hat sich im Laufe der Jahre immer mehr vergrößert und später unter fachlicher Anleitung und Betreuung von Ingrid Niebling auf die Teilnahme am Wettkampfbetrieb orientiert. Viele Zeiler Schwimmer taten unter dem Dach der SG (Schwimmgemeinschaft) Hassberge gemeinsam mit Sportlern aus anderen Vereinen des Landkreises bei vielen Schwimmveranstaltungen bis hin zu Meisterschaften an. Nach dem Bau des Schwimmbades „Welle" in Haßfurt und der damit ermöglichten Neugründung des Schwimmclubs Haßberge durch Ingrid Niebling wechselte die gesamte Schwimmabteilung in den neuen Verein.

Mit der Erstellung einer neuen Freisportanlage durch die Stadt Zeil und den Initiativen des Technischen Leiters Joachim Vogt kam es ab 1976 auch bei der Leichtathletikjugend zu einem Neuaufschwung. Als Abteilungs- und Übungsleiter stellte sich Willy Dürrbeck zur Verfügung und sorgte für eine starke Beteiligung am Übungs- und auch Wettkampfbetrieb, der inzwischen schon über 30 Jahre anhält. Mit seinem Talent und der guten Betreuung durch Heinz Hofmann und Willy Dürrbeck wurde Daniel Hofmann in den Bayerischen Hochsprung Nachwuchskader berufen. Auch in der unter-fränkischen, bayerischen und deutschen Schüler-Bestenliste des Jahres 2008 ist Daniel Hofmann vertreten.

Als sich die Lauf- und Joggingbewegung in Deutschland etablierte und vorn Deutschen Sportbund gefördert wurde, bildeten sich ab Februar 1978 beim Turnverein unter Mitwirkung von Karl Raab und Willy Dürrbeck recht schnell Läufergruppen und ein regelmäßiger Lauf-Treff. Frühjahrs-Trimm-Trab, der Ausdauerlauf im Herbst, schließlich die Durchführung des Abt-Degen-Laufes, eine alljährliche Adventswanderung und die Teilnahme an vielen Wettkämpfen und Meisterschaftswettbewerben von den Schülern bis zu den Senioren haben inzwischen eine 30-jährige Tradition. Noch heute sind Läufer aktiv, die schon seit 1978 dabei sind.

Mit Walking und Nordic Walking unter der Leitung von Karl Raab wird das Angebot im Laufen abgerundet.

Seit der Gründung der Leichtathletikabteilung können alle von jung bis alt unter der fachmännischen Anleitung von Karl Raab und Willy Dürbeck, ihre sportliche Fitness mit dem Ablegen des Deutschen Sportabzeichens oder des Bayerischen Leistungsabzeichens überprüfen.

Durch die Laufbegeisterung beim Turnverein ließ sich auch Hubert Karl anstecken und ist zu einem national und international bekannten Ultralangstreckenläufer geworden, der schon seit langem seine sportlichen Erfahrungen auch an den Läufernachwuchs im Verein weitergibt. Die von ihm gegründete Sportgruppe ,,Rote Teufel" hat auf sportlicher Ebene von Kreis- bis zu Deutschen Meisterschaften im Schüler- und Jugendbereich schon zahllose Titel und Spitzenplatzierungen erreicht. Neu ist seit 5 Jahren der von den Eltern der Sportjugend organisatorisch sehr stark unterstützte ,,Waldmarathon" im Zeiler Laufpark. Jeweils im November gingen bisher bis zu 800 Teilnehmer als Läufer und Walker aus dem ganzen Bundesgebiet an den Start, um das Naturerlebnis in den herbstlichen Haßbergwäldern um Zeil zu genießen. Bei seiner Trainingsarbeit wird Hubert Karl heute durch Heinz Hofmann, Willy Dürbeck, Ludwig Freter, Kerstin Steigner, Christine Freter-Karl sowie Jasmin und Janine Hofmann unterstützt.

Eine rührige Abteilung entstand auf Anregung von Werner Hoh und Initiative von Alex Kindshuber im Jahre 1978 unter dem Namen ,,TV-Freizeit". Für die wanderfreudigen Mitglieder wurden viele Omnibusfahrten in die Bergwelt von Südtirol und in die Schweiz organisiert, um beim Bergwandern auch die schönen Landschaften kennenzulernen und die Geselligkeit bei unvergesslichen Hüttenabenden zu pflegen. Aber ebenso in der engeren Heimat wurden viele Ziele angesteuert und interessante Städtefahrten durchgeführt.

Im Jahr 1978 bildete sich eine eigene Ski-Abteilung im Verein, Abteilungsleiter war Hugo Angebrand. Es wurden Ski-Fahrten ins Fichtelgebirge organisiert und Zeiler Slalom-Stadtmeisterschaften durchgeführt.

Auch die Bogenschützen fanden 1979 beim Turnverein ihre Heimat, die Namen Herbert Schulz und Erich Krapf stehen am Anfang dieser immer erfolgreicheren Sportgruppe. Starts bei Meisterschaften und erreichte Erfolge auf Bezirks-, Landes- und Bundesebene durch Zeiler Bogenschützen sind in-zwischen schon lange keine Seltenheit mehr.

Im Jahre 1979 wurde von Thomas Fenzel und Toni Martin eine Basketballabteilung gegründet, die sich hauptsachlich der sportlichen Freizeitgestaltung verschrieb und gern besuchte Turniere für Hobbymannschaften veranstaltete. Heute nehmen die Basketballer unter der Leitung von Norbert Biener regelmäßig an Deutschlands größtem Freizeitbasketballturnier, dem „Pfingstcup" im Bamberg teil.

In den 80er Jahren erfolgten an den vereinseigenen Gebäuden Renovierungen und Modernisierungen und schließlich 1983/84 die notwendige Umbaumaßnahme mit der Vergrößerung der Turnhalle. Wieder einmal fanden sich dazu viele freiwillige Helfer zu Arbeitseinsätzen ein, für die stellvertretend nur der Name von Josef Kuhn genannt sei.

Dem Tennisboom in den 80er Jahren konnte sich auch der Turnverein nicht verschließen und gründete 1986 eine eigene Tennisabteilung mit dem Abteilungsleiter Thomas Fenzel. Unter der Regie des damaligen 1. Vorstandes Georg Brecht entstanden, teilweise in Eigenleistung, zwei vereinseigene Tennisplätze, die seitdem auch zur Ausübung dieser Sportart den Vereinsmitgliedern und Interessenten zur Verfügung stehen. Rainer Leisentritt und Erich Müller engagierten sich dann besonders in der Nachwuchsarbeit, so dass schon bald his zu drei Mannschaften am Punktspielbetrieb teilnahmen.

Seit 1987 wurde durch die erfahrenen Übungsleiterinnen Ursula Nüßlein und Christa Seibert die chinesische Gesundheitsgymnastik Qi-Gong angeboten und praktiziert, die manchem Teilnehmer zur Lösung von Verspannungen und zum besseren körperlichen Wohlbefinden verhalf. Für weiterhin viel Entspannung mit Qi-Gong sorgt heute Monika Seibert bei den Erwachsenen.

Seit 1995 existiert die Fitness- und Ballspielgruppe unter der Leitung von Robert Fritzmann. Mit Gymnastik sowie Hockey, Basketball und Fußball wird hier für abwechslungsreiche Fitness gesorgt.

1998 wurde von Dr. Peter Jung und seiner Ehefrau Antje die Abteilung Aikido gegründet. Aikido ist eine gewaltlose Kampfkunst aus Japan. Zum 10-jährigen Bestehen wurde eine bundesweite Fortbildung in Zeil abgehalten, wo in beeindruckender Weise diese Kampfkunst dargeboten wurde. Aus beruflichen Gründen konnte leider eine stark boomende Kinderabteilung nicht weiter fortgeführt werden. Doch durch den Neuzugang der Übungsleiterin Christine Hohner und dem Wiedereinstieg von Dr. Peter Jung konnte das Angebot für Erwachsene weiter geführt werden. Um die Kinder aus der Aikido-Abteilung nicht zu verlieren, wurde intensiv nach Alternativen gesucht. Nach langen Gesprächen konnte Edgar Riedl von der Judoabteilung der SG Eltmann überzeugt werden, zusätzlich Judo für Kinder beim TV Zeil anzubieten. Innerhalb kürzester Zeit ist die Abteilung auf 20 Kinder angewachsen.

Wie schon in den 80er Jahren musste nach 25 Jahren erneut die vereinseigene TV-Turnhalle renoviert und modernisiert werden.

Nach einem langwierigen Genehmigungsprozess hat der BLSV im August 2008 dem Antrag zum vorzeitigen Baubeginn zugestimmt. Somit konnte die Sanierung der TV-Turnhalle am Birkenweg beginnen.

Im Rahmen der Sanierungsmaßnahme wurde die komplette Heizungsanlage durch eine Brennwertheizung mit Solarunterstützung ersetzt. Zusätzlich bekam die Turnhalle einen Vollwärmeschutz von außen und neue Wärmeschutzfenster. Die bisher doch recht laute Lüftungsanlage wurde durch eine energiesparende und geräuschlose Strahlungsheizung ausgetauscht und die kalten Fliesenwände wurden mit einer sicheren Prallschutzwand verkleidet.

Durch diese ersten Maßnahmen entstand ein neues und ansprechendes Sportzentrum für Kinder, für Gesundheitskurse, sowie Aikido, Judo und Tischtennis.

Ein weiterer wichtiger Schwerpunkt im Turnverein Zeil ist heute der Gesundheitssport in der Prävention. Mit der sanierten Turnhalle und dem Einbau einer Spiegelwand, wurden Voraussetzungen geschaffen, die für eine richtige Durchführungen von entsprechend gesundheitsfördernden Übungen notwendig sind. Vielen Dank allen Helfer für Ihren unermüdlichen Einsatz, allen beteiligten Firmen und allen Spendern, die bisher die Sanierungsmaßnahme der TV-Turnhalle unterstützt haben.

Ein wichtiges Anliegen des Turnvereins war schon immer das Kinderturnen gewesen. Durch die vor kurzem abgeschlossene Renovierung der TV-Turnhalle und der Anschaffung neuer Sportgeräte - speziell für Kinder -

kann jetzt das Kinderturnen in der eigenen Halle abgehalten werden. Beginnend mit dem Eltern-Kind-Turnen unter der Leitung von Yvonne Fleischmann können bereits Kinder ab 1 Jahr Spaß an der Bewegung haben. Mit dem Kinderturnen 3-4 Jahre unter der Leitung von Bianca Wegner, sowie dem Kinderturnen 5-8 Jahre unter der Leitung von Helga Angermeir und Monika Seibert werden alle Altersgruppen abgedeckt. Die Kinder können sich dabei unter fachlicher Anleitung ausgiebig bewegen und es wird die Koordination, die Grobmotorik sowie das Gleichgewicht gefördert.

Seit langem war es der Vereinsführung ein Anliegen, auch ein Tanzangebot für Mädchen anbieten zu können. Durch das Kursangebot

„Jazzdance und HipHop" unter der Leitung von Tina Saum konnte diese Lücke geschlossen werden. Auch hier profitiert der Turnverein durch den Hallenumbau. Mit dem Einbau der neuen Heizung, der Spiegelwand und der Beschallungsanlage wurden hier optimale Voraussetzungen geschaffen.

Die Qualität der Sportangebote steht im Vordergrund. Durch die Verleihung des Qualitätssiegels „SPORT PRO GESUNDHEIT" öffnen sich neue Möglichkeiten im Gesundheitssport. Durch die Fachausbildung von Übungsleitern im Präventionsbereich und dem Qualitätssiegel können die Teilnehmer am Gesundheitssportprogramm ihre Kosten bis zu 80% bei den Krankenkassen erstatten lassen.

Um ein breiten Öffentlichkeit zu erreichen, werden alle Kurs in Kooperation mit der VHS angeboten.

Mit dem Angebot „Body-Workout" wurde das Programm unter der Leitung von Melanie Diem im Mai 2009 gestartet.

Im September kommen die Angebote „Rückenfitness – Haltung und Bewegung" sowie „Entspannung und Stressbewältigung" unter der Leitung von Christine Freter-Karl, „Gesund und Fit" unter der Leitung von Bianca Wegner, sowie „Pilates – ein perfektes Training" und „Aktiv Move – mit Step" unter der Leitung von Melanie Diem hinzu.

Um Kinder mit Psychomotorischen Problemen kümmert sich ab September Christine Hohner im Kurs „Wilde und ruhige Bewegungs(t)räume).

Als Ausgleich zum anstrengenden Schulalltag bieten wir für Kinder „Chi-Kung-Kids" von Andrea Depner an. Hauptziel hierbei ist die Konzentration und Leistungsfähigkeit der Kinder zu steigern. Das gleiche Ziel für Erwachsene verfolgt Roland Schütz mit dem Kurs „Taijiquan".

Nicht alle Abteilungen haben die Jahre bis heute überstanden. Aber mit seinem derzeitigen sportlichen Angebot von 35 Sportgruppen und Abteilungen, die von 33 Übungsleitern betreut werden, bietet der Turnverein ein breitgefächertes und sehr attraktives Programm an.

So stellt sich nun in einem gerafften Rückblick der TV Zeil in seiner sportlichen Entwicklung dar. Als ein Sportverein, der bereits im 19. Jahrhundert entstand, der das 20. Jahrhundert mit all seinen bewegenden Ereignissen und Umwalzungen miterlebte und im örtlichen Bereich sportlich mit gestaltete, hofft er mit seiner derzeitigen Vereinsführung auch im 21. Jahrhundert den vielen Mitgliedern und Freunden ein ansprechendes sportliches Angebot und gesellige Veranstaltungen zur Erreichung einer besseren Lebensqualität und besseren Gesundheit anbieten zu können.

2009 Copyright by Heinrich Weisel & Norbert Biener, Zeil.